Wie die Maus der Katze den Appetit verdarb

Die Maus tappte in eine Falle aus der es kein Entrinnen gab. Und als schließlich die Katze des Hauses hinzutrat und sich genüsslich die Lippen leckte, schnappte sich die Maus ihr letztes Stück Käse und verspeiste es mit einem seligen Lächeln.
»Schätzchen, Dir ist schon klar, dass das gerade Deine Henkersmahlzeit war?«, fragte die Katze. »Warum also lächelst Du? Fürchtest Du nicht den Tod?«
»Nein, nicht den Tod!« antwortete die Maus. »Denn was soll schon sein, wenn ich nicht mehr bin. Nur Sterben ist unangenehm, aber es gibt Dinge für die es sich lohnt. Ein gutes Stück Käse zum Beispiel. Deshalb lächle ich. Und Du tust mir leid.«
»Warum tu ich Dir leid?« fragte die Katze verständnislos. »Du bist es doch, die gleich sterben wird.«
»Eben. Ich habe nur dieses eine Leben und deshalb gleich alles hinter mir. Von Dir dagegen sagt man, Du hättest Sieben. Du also wirst sieben mal sterben. Und das ist bestimmt kein Vergnügen. Oder?«

– inspiriert von Khalil Gibran

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