Eine Weihnachtsgeschichte von Ochsen und Eseln – und einem Weisen aus dem Abendland

In einer alt-ehrwürdigen Freimaurer-Loge wurde einst diskutiert, ob man erstmals die traditionelle Adventsfeier in ein repräsentativeres Umfeld verlegen sollte, statt wie üblich wieder in einem inzwischen in die Jahre gekommenen Gasthof zu feiern. Nachdem Traditionalisten und Modernisierer all ihre überzeugenden Argumente vorgebracht hatten, meldete sich schließlich der Alt-Logenmeister mit folgender Geschichte zu Wort: 

»Es war einmal vor langer Zeit ein Kind geboren in einem Stall. Die Eltern hörten, dass gar viel Volk auf dem Weg zu Ihnen war und sogar drei Weise aus dem Morgenland ihre Aufwartung angekündigt hatten. Sie kamen deshalb überein, dass eine derartige Herberge wohl kaum ein geeigneter Rahmen wäre und beschlossen, sich nach etwas Repräsentativerem umzuschauen. Bethlehem hätte da auch zu wenig zu bieten und es wäre am Besten, man ziehe in einen der Paläste der Nachbarstädte. Gesagt, getan. Es war ein strahlender Rahmen für die Präsentation; nur das Kind weinte aus unerfindlichen Gründen und Ochs und Esel waren nicht mehr dabei. Die drei Weisen kamen übrigens erst gar nicht; sie reisten zu einem leeren Stall, denn der Stern stand unverändert über der Krippe…«

Die Brüder entschieden sich, wieder in ihrem Gasthof zu feiern.

[Danke an Br. J. K. für die schöne Geschichte!]

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