Wie ich beweisen konnte, wirklich nicht schwul zu sein…

Ich, heterosexuell (Kurzform im Schwulen-Jargon: »Hete«), habe beruflich viel mit Homosexuellen zu tun. So viel, dass der ein oder andere Kollege offenbar automatisch voraussetzt, ich selbst müsse auch schwul sein. So kam es im Rahmen eines beruflichen Auslandsaufenthalts kürzlich zu folgendem Gespräch:

»Du, Philip, der Stefan glaubt mir nicht, dass Du ’ne Hete bist!«
»Hä? Wieso das denn? Stefan, ich bin mit ’ner Frau verheiratet.«
»Das heißt nichts!«
»Und ich hab‘ ’ne Tochter!«
»Das heißt auch nichts!«
»Na gut. Versuchen wir’s mal anders: Wie kommst Du denn darauf, dass ich schwul sein könnte? Nur, weil ich hier beruflich mit Schwulen unterwegs bin?«
»Nein, ich dachte, weil Du so auf Dein Äußeres achtest!«
»Äh… wieso achte ich auf mein Äußeres? Ich hab‘ für fünf Tage nur Handgepäck dabei!«
»Für fünf Tage nur Handgepäck? Na, dann kannst Du wirklich nicht schwul sein!«

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Vaterfreuden: How to survive Hollister

Den vielen Synonymen für Folter muss nach »Ikea am Samstag« ein weiteres hinzugefügt werden: Hollister. Eine Mode-Droge. Und was diese aus unseren Kindern macht, wurde mir kürzlich durch Nils bewusst: Der junge Mann eröffnete mir einer Lehre als Versicherungskaufmann nun doch lieber einen Minijob in einer »nahegelegenen« (hieß: 50 Kilometer entfernten) Hollister-Filiale vorzuziehen.

Ich rechnete ihm vor: 30 Euro Fahrtkosten bei 9 Euro Stundenlohn? »Geiler Deal!«, fand er – und ich bekam es mit der Angst zu tun. Als Vater einer Heranwachsenden bangt man schließlich bei so viel Irrsinn gleich um die Zukunft des eigenen Kindes. Ich beschloss, der drohenden Gefahr lieber vorzeitig ins Auge zu blicken und fuhr hin.

Mit »Hi Guys, welcome to the beach!«, wird man draußen von etwas empfangen, was wohl eine Art Grüß-August 2.0 sein soll: Mit Badeshorts, Flip Flops und Gänsehaut.

In den labyrinthartigen Räumen ist es recht düster. So fällt kaum auf, wie wenig es gibt – aber das in vielen Farben.

Obwohl alle furchtbar wichtig gucken: Die wohl wichtigsten Mitarbeiter sind per Headset verbunden. Ich schnappe einen Gesprächsfetzen auf: »Kasse an Tür: Wir sind dicht.« Dicht? Wie gesagt: Ikea am Samstag. Das ist dicht. Dass aber bei Hollister »dicht« vielleicht Codewort für einen herbeizuführenden Kunden-Bewusstseinszustand ist, dämmert mir erst später:

Da schwebt fast wie auf Kommando eine blonde Headset-Elfe herbei, mit Sie-ahnen-es-vielleicht-nicht-aber-ich-habe-eine-verantwortungsvolle-Position-als-Diplom-Raumbedufterin-Blick. Sie sieht mich, reißt einen Flakon in die Höhe und sprüht. Ein-, zwei-, dreimal. Irgendetwas in mir schreit: LUFTANHALTEN! Und als sich der Nebel lichtet, sehe ich, warum:

Eine Kundin wittert, reckt den Kopf, nimmt einen tiefen Atemzug und greift dann mit glasigem Grinsen zu einem weiteren T-Shirt, von dem sie erst drei unterm Arm hat! Hätte man sie gefragt, warum noch eins – sie hätte vermutlich sabbernd geantwortet: »Hihi, jaaaa, aber noch nicht in dieser Farbe *gl*.« Und das »Doch, auch in dieser Farbe!« hätte man sich ängstlich verkniffen.

Kennen Sie diese Verschwörungstheorie, nach der uns die Regierung heimlich Fluor ins Trinkwasser mischt, um uns gefügig zu machen?

Das Raumspray scheint ähnlich effektiv wie der Duft in der Schluss-Szene von »Das Parfüm«. Nur, dass bei Hollister nicht alle übereinander her-, sondern in einen Kaufrausch verfallen und sich nicht gegenseitig, sondern Hollister an die Wäsche gehen.

Doch ich weiß damit jetzt auch, wie man das alles überleben kann, ohne zu verarmen:

Versuchen Sie es als eine Art Pac-Man-Spiel zu begreifen. FLÜCHTEN SIE VOR DER RAUMBEDUFTERIN! Werden sie erwischt, halten Sie die Luft an und rennen zum Ausgang! Lassen Sie sich dort mit einem »Thanks for coming!« verabschieden und lachen Sie dann LAUT auf. Das füllt Ihre Lungen schlagartig mit frischer Luft und hilft Ihnen, den Kopf wieder klar zu kriegen, für das nächste Level:

Abercrombie & Fitch!